Abraham Roentgen
, am 30. Januar 1711 als Sohn eines Schreiners in (Köln-) Mülheim am Rhein geboren, absolvierte bei seinem Vater die Lehre. Seine Gesellenwanderschaft führte ihn nach Holland und London. Dort sammelte er wichtige künstlerische Eindrücke, die sich im Stil seiner Möbel niedergeschlagen haben. In London hörte er Predigten des Grafen Nikolaus von Zinzendorf und schloss sich 1737 der Herrnhuter Brüdergemeine an, die fortan sowohl sein privates Leben als auch seine Arbeitsethik bestimmen sollte.

In der Herrnhuter Siedlung Herrnhaag in der Wetterau eröffnete Abraham Roentgen 1742 eine eigene Werkstatt. Gemeindemitglieder und Gemeindeanstalten sowie Standespersonen zählten zu den ersten Kunden. Beziehungen der Herrnhuter zum Adel nutzte er, um mit den in der Wetterau beheimateten Grafenhäusern in Verbindung zu treten. Eine weitere Verkaufsmöglichkeit bot die Frankfurter Messe.

1743 wurde der älteste Sohn David in Herrnhaag geboren, dem fünf weitere Brüder folgten, die alle das Schreinerhandwerk erlernten und zeitweise in der Werkstatt ihres Vaters tätig waren.

1750 wurde die Herrnhuter Gemeine aus Herrnhaag ausgewiesen. Abraham Roentgen zog mit seiner Familie und weiteren vierzig Herrnhutern nach Neuwied, wo ihnen Graf Friedrich Alexander zu Wied eine Siedlungsfläche zu Verfügung stellte. Abraham beteiligte sich am Bau der gemeinschaftlichen Gebäude und errichtete ein eigenes Haus mit Werkstatt. In der Folgezeit entwickelte er vor allem mit seinem talentierten Sohn David Möbel mit sonst unerreichten farbig garnierten malerischen Marketerien im Mosaikverfahren sowie mit prächtigen Inneneinrichtungen. Der Trierer Kurfürst und Erzbischof wurde sein wichtigster Kunde.

Durch die Anschaffung teurer Materialien und Lagerung der fertigen Möbel geriet er nach dem Siebenjährigen Krieg in finanziellen Schwierigkeiten. Eine 1769 von Sohn David veranstaltete Möbellotterie in Hamburg brachte die Rettung.

Seinem Sohn übergab er 1772 offiziell die Werkstatt, in der nun schon mehr als zehn Mitarbeiter tätig waren. Er selbst arbeitete noch weiterhin im Betrieb.

Im Alter von 74 Jahren entschloss sich Abraham zum Umzug in die Brüdergemeine in Herrnhut. Dort starb er hochbetagt am 01.03.1793.