Mit unternehmerischem
Geschick und gezielten Marktstrategien erweiterte er den Handwerksbetrieb
zur großen Fabrik. Bedeutende Mitarbeiter wurden herangezogen, wie der
Kurtrierische Hofmaler Januarius Zick, der Neuwieder Uhrmacher Peter
Kinzing, der Wiener Komponist Christoph Willibald von Gluck oder der
Vergolder Francois Rémond.
David
reiste 1774 zum ersten Mal nach Paris, studierte dort den neuesten Modetrend
und informierte sich über die Möglichkeiten eines weiteren Absatzmarktes.
Wer in der Metropole der Mode erfolgreich war, konnte auf internationaler
Ebene mit Aufträgen rechnen.
Ins Rheinland
zurückgekehrt fertigte David die ersten deutschen Möbel im klassizistischen
Stil und belieferte zahlreiche europäische Könige und Fürstenhöfe. Möbeltransporte
gingen nach Brüssel an den Hof des Statthalters der österreichischen
Niederlande, an den französischen Hof und zwischen 1783 und 1790 nach
St. Petersburg an seine bedeutendste Kundin, die russische Zarin Katharina
die Große. In Paris eröffnete er sogar ein Möbeldepot. Bei seinen Kaufverhandlungen
an den europäischen Fürstenhöfen trat er, die französische Sprache beherrschend,
selbstbewusst auf.
David
Roentgens Renommé reichte weit über das seines Handwerkes hinaus. Er
erhielt hohe Ehrungen und politische Ämter. Mit einem weitgefächerten
Betriebsnetz baute er ein bedeutendes Unternehmen mit weit reichenden
Geschäftsbeziehungen auf, was vor und nach ihm kein anderer Möbelschreiner
fertigbrachte. Über 2000 Möbel entstanden in der Neuwieder Manufaktur,
von denen über 600 Stück heute bekannt sind und sich in europäischen
sowie amerikanischen Museen und privaten Sammlungen befinden.
Die Werkstatt
beschäftigte in ihrer Blütezeit 80 - 100 Mitarbeiter; in einem Brief
spricht David Roentgen sogar von 200 Mitarbeitern.
Ab 1790
ließ sich infolge der Französischen Revolution eine Rezession der Manufaktur
spüren. Prunkmöbel à la Roentgen waren nicht mehr gefragt. Nicht zuletzt
die Revolutionskriege zwangen David Roentgen, die Manufaktur bis 1795
schrittweise aufzulösen. Die Möbelproduktion endete bereits 1793.
David
Roentgen verließ Neuwied und bereiste mehrere deutschen Fürstenhöfe,
wo er sich um den Verkauf seiner noch vorrätigen Möbel sowie um die
Eintreibung alter Schulden bemühte. 1801 nach Neuwied zurückgekehrt
bekleidete er verschiedene Ehrenämter der Brüdergemeine und vertrat
diese in diplomatischer Eigenschaft beim Herzog von Nassau in Wiesbaden,
wo er 1807 unerwartet starb.
Sein Grabstein,
der später nach Neuwied geholt wurde, trägt die Inschrift: "David Roentgen
/ geboren am 11.August 1743 in der Wetterau / in allen Städten Europas
berühmt durch sein überragendes Talent / starb am 12. Februar 1807."