David Roentgen wurde am 11. August 1743 als erster Sohn von Abraham und Susanna Maria Roentgen (geb. Bausch) in Herrnhaag geboren. Mit sechs Jahren trat er in ein Internat der Herrnhuter ein. Dem Schreinersohn wurde so eine Bildung ermöglicht, die selbst im gehobenen Bürgerstand nicht üblich war.

Im Betrieb des Vaters erlernte er das Schreinerhandwerk. Auf einer Reise nach London 1766 gewann David Einblicke in die zukunftsweisende englische Betriebsführung. Er ist es, der den väterlichen Betrieb 1769 durch die Organisation einer Möbellotterie in Hamburg aus der finanziellen Krise rettete.

1772 überschrieb ihm der Vater offiziell die Möbelwerkstatt in Neuwied. David baute sich zwei Jahre später in der Pfarrstraße ein eigenes stattliches Haus mit Wohnung, Werkstatt und Lagerräumen.

Mit unternehmerischem Geschick und gezielten Marktstrategien erweiterte er den Handwerksbetrieb zur großen Fabrik. Bedeutende Mitarbeiter wurden herangezogen, wie der Kurtrierische Hofmaler Januarius Zick, der Neuwieder Uhrmacher Peter Kinzing, der Wiener Komponist Christoph Willibald von Gluck oder der Vergolder Francois Rémond.

David reiste 1774 zum ersten Mal nach Paris, studierte dort den neuesten Modetrend und informierte sich über die Möglichkeiten eines weiteren Absatzmarktes. Wer in der Metropole der Mode erfolgreich war, konnte auf internationaler Ebene mit Aufträgen rechnen.

Ins Rheinland zurückgekehrt fertigte David die ersten deutschen Möbel im klassizistischen Stil und belieferte zahlreiche europäische Könige und Fürstenhöfe. Möbeltransporte gingen nach Brüssel an den Hof des Statthalters der österreichischen Niederlande, an den französischen Hof und zwischen 1783 und 1790 nach St. Petersburg an seine bedeutendste Kundin, die russische Zarin Katharina die Große. In Paris eröffnete er sogar ein Möbeldepot. Bei seinen Kaufverhandlungen an den europäischen Fürstenhöfen trat er, die französische Sprache beherrschend, selbstbewusst auf.

David Roentgens Renommé reichte weit über das seines Handwerkes hinaus. Er erhielt hohe Ehrungen und politische Ämter. Mit einem weitgefächerten Betriebsnetz baute er ein bedeutendes Unternehmen mit weit reichenden Geschäftsbeziehungen auf, was vor und nach ihm kein anderer Möbelschreiner fertigbrachte. Über 2000 Möbel entstanden in der Neuwieder Manufaktur, von denen über 600 Stück heute bekannt sind und sich in europäischen sowie amerikanischen Museen und privaten Sammlungen befinden.

Die Werkstatt beschäftigte in ihrer Blütezeit 80 - 100 Mitarbeiter; in einem Brief spricht David Roentgen sogar von 200 Mitarbeitern.

Ab 1790 ließ sich infolge der Französischen Revolution eine Rezession der Manufaktur spüren. Prunkmöbel à la Roentgen waren nicht mehr gefragt. Nicht zuletzt die Revolutionskriege zwangen David Roentgen, die Manufaktur bis 1795 schrittweise aufzulösen. Die Möbelproduktion endete bereits 1793.

David Roentgen verließ Neuwied und bereiste mehrere deutschen Fürstenhöfe, wo er sich um den Verkauf seiner noch vorrätigen Möbel sowie um die Eintreibung alter Schulden bemühte. 1801 nach Neuwied zurückgekehrt bekleidete er verschiedene Ehrenämter der Brüdergemeine und vertrat diese in diplomatischer Eigenschaft beim Herzog von Nassau in Wiesbaden, wo er 1807 unerwartet starb.

Sein Grabstein, der später nach Neuwied geholt wurde, trägt die Inschrift: "David Roentgen / geboren am 11.August 1743 in der Wetterau / in allen Städten Europas berühmt durch sein überragendes Talent / starb am 12. Februar 1807."